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1. Rang im Theater.

February 23, 2017

1. RANG im THEATER

 

Das hier ist mein Lieblingsplatz, der 1. Rang, die erste Reihe.

 

Vom Platz des Beobachters sieht alles anders aus. Ich schaue aus dem Fenster und betrachte ganz ruhig die Szenerie, die gerade draußen gespielt wird.

 

Ich höre die Hintergrundmusik. Die Mitarbeiter vom Kaffee unterhalten sich ganz leise, ich verstehe nicht was sie sagen, es interessiert mich auch nicht. Für mich klingen die Stimmen und die Geräusche schön, wie zum Beispiel das Besteck getrocknet und aussortiert wird. Die Münder bewegen sich lautlos, mal hier und mal da, die Füsse, die Hände, die Blicke ebenso. Wie kann ein Blick so leise sein? Wie kann eine Hand so zart und leise gleichzeitig sein?

 

Vom ersten Rang beobachte ich ein unvorhersehbares Theaterstück, es ist ein Stück ohne Anfang und ohne Ende. Ist es nur ein Ausschnitt aus meinem Leben? Nein, es ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben von jedem von uns. Von jedem, der hier vorbeiläuft, einen Kaffee trinkt oder eben auch von mir, der diese Worte schreibt.

 

Ich wünschte mir, ich könnte öfters diesen Platz besetzen, aber das geht irgendwie nicht, der Platz ist nicht so leicht zu finden, auch nicht bei Google, da habe ich mehrmals zwecklos gesucht. Das Problem ist, dass dieser Platz kein Platz sondern ein Zustand ist, und die Zustände sind nicht in Google zu finden, so verhält es sich auch mit Gefühlen.

 

Ich würde viel für so einen Platz  bezahlen. Eine halbe Stunde reicht um eine ganz andere Perspektive zu gewinnen, eine ich-lose Perspektive, eine emotionsneutrale Perspektive, einen akzeptierenden Blick, von dem was da draussen und hier drinnen geschieht. Hier drinnen im Café und hier drinnen, unter dieser Haut.

 

Leider verbringe ich viel zu viel Zeit auf dem Platz des Theaterkritikers, auf dem Platz vom Bewerter, der gegen alles kämpft und alles als falsch oder richtig verurteilt. Das ist der Platz des Richters, der sagt wer gut und wer schlecht ist, was sein darf und was nicht, wer schön und wer hässlich ist, wer mir gefällt und wer nicht. Das ist der Platz von uns allen, wir sitzen unten, Nr. 20, Nr. 45, Nr. 564. Egal was für eine Platznummer ich habe, ich sitze den ganzen Tag da, wo mich die Emotionen wie Nebel vor meinen Augen das Theaterstück nicht sehen lassen. Da werde ich und alles was ich mache und nicht mache beurteilt, verurteilt, vor-urteilt, kritisiert, gemessen, bewertet, abgewertet und abgestempelt. Doch von wem? Von mir selbst natürlich. Von da aus werden alle ausnahmslos kategorisiert, beurteilt, vor-urteilt, verurteilt, kritisiert, abgestempelt, gemessen und verglichen, von mir selbst natürlich.

 

Heute hat mich der Platz des Beobachters gefunden, ich liebe diesen Platz. Nur eine halbe Stunde hat gereicht. Die Musik im Hintergrund, das Besteck und die Gläser scharf wie Messer in meinen Ohren, der Mund der sich lautlos da draussen bewegt, die Kaffeetasse auf dem Tisch, der Computer, meine Hände, seine Hände, ihre lockigen Haare, ein Fahrradfahrer schwebt vorbei, alles so zart, so ruhig und so so schön ...   

 

Ich bekomme eine Kerze von der Mitarbeiterin, alle bekommen eine. Draußen fallen Haare auf braune und sinnliche Schulter, ein Pärchen sitzt und bestellt etwas, zwei Blicke treffen sich für eine Sekunde, ich sehe junge Haut, weise Haare, zusammen gefaltete Hände. Ein Tablett voller Biergläser schwebt wie ein Ufo durch den Raum. Er hinkt und lächelt, da ist eine Fliege. Ich könnte hier stundenlang nur sitzen und beschreiben wie  tausend von spannende Sachen meine Aufmerksamkeit packen und mich faszinieren. Ich  erzähle von jenen Dingen, die von dem Platz des Richters aus als uninteressant erscheinen. Heute machen sie mich einfach glücklich, mehr brauche ich nicht.

 

Der Akku vom Computer ist leer und ich wechsle den Platz. Ich müsste exakt auf der gegenüberliegenden Seite nun sitzen, von dem Platz betrachtet, wo ich vorhin war. Wow, eine neue Welt geht vor mir auf, eine völlig andere Perspektive!                           

 

Ich werde die Aussicht eine Weile geniessen, an meinen Texten auf Spanisch arbeiten und irgendwann mache ich den Computer aus, den Richter an und gehe nach Hause.

 

 

 

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