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Als den Tod vor meine Türe stand.

September 15, 2017

Als der Tod vor meiner Tür stand, wusste ich es, es ist so weit...

Wenn du nicht mehr weißt, ob es dich am nächsten Morgen noch gibt, ändert sich alles.

Gleich am dritten Tag, nachdem meine Krankheit angefangen hat, stand der Tod vor meiner Tür. Die Symptome sahen sehr ähnlich aus wie damals, als mein Vater mit einer tödlichen Krankheit diagnostiziert wurde. Dann hieß es, warten, Untersuchungen machen lassen und den Neurologen dabei zusehen, wie sie sich das Kinn rieben, weil sie nicht wussten, was ich habe. Bald überkam mich dieses Licht, diese Klarheit, diese absolute Leere. Dann tat ich es, ich gab die Kontrolle ab. Ich wusste es, es ist soweit, es geht nicht anders, diese Macht war tausendmal stärker als die Macht meines Egos und meine menschliche Gestalt. So geschah es, dass ich alles losgelassen habe, und zwar alles.

Bald sagten mir die Ärzte, dass sie nicht genau wussten, was ich habe, es sei aber nicht lebensgefährlich. In mir drin sah es aber anders aus, die Kräfte verließen mich stets und das Licht wurde immer stärker. Ein paar Nächte kam ich zu dem Punkt, wo ich nicht wusste, ob die Lebenskraft noch zum Atmen reicht, und doch bin ich eingeschlafen und am nächsten Tag aufgewacht und dabei gedacht: „Ok, ich habe noch einen Tag“.

So geschah es, dass ich die Kontrolle abgegeben habe, tief, ganz tief, da wo ich die Kontrolle von allem haben wollte, ohne dass es mir bewusst wäre. Das ist da, wo ich zu leben angefangen habe, das ist warscheinlich mein erster Atemzug in diesem Leben gewesen.

So bin ich Tage, wochenlang in einem unbeschreiblichen Zustand der Schwäche gemischt mit einem gewaltigen Frieden gewesen, der mir einen gnadenlos klaren Einblick in meine Menschlichkeit gegeben hat. Vorwurfsfrei konnte ich tiefer und tiefer in meine Urschmerzen, meine Urthemen und Urüberlebensmechanismen eintauchen. Öfters hatte ich das Gefühl, dass mein Unterbewusstsein zu meinem Bewusstsein geschleudert worden wäre, was einen unbeschreiblichen seelischen Schmerz erzeugte. Das hat sich in meinem physischen Körper eins zu eins wiederspiegelt und mich zum Limit der Erschöpfung gebracht. Ich habe schon in meinem Leben immer wieder tiefe Einblicke in die dunklen und unbeachteten Ecken meiner Seele durch alle möglichen Erfahrungen bekommen, aber das hier ist eine andere Kategorie gewesen. Für mich war es wie eine Ayahuasca-Reise, die tagelang, ja wochenlang nicht mehr aufhört. 

Ich glaube nicht, dass ich mich getraut hätte, mich selbst und mein Leben so bloß und abwehrlos im Spiegel anzusehen, wenn ich nicht „gewusst“ hätte, dass mein Leben zu Ende geht. Ja, tagelang dachte ich, dass ich hier auf der Erde schon fertig wäre. Was für ein vorwurfsfreier Blick in meine Angste, Verhaltensmuster, Abhängigkeiten, Schwächen, Hass, Frustration und „Nichtlebenwollen“ mir dadurch gegönnt wurde! Aber auch eine kleine Vorahnung von meinem wahren Wesen wurde mir geschenkt, nur und einzig alleine dafür hat sich alles gelohnt. So ist es mir nach und nach klarer geworden, dass es nichts in meinen Leben und meiner Person gibt, woran es sich festzuhalten lohnt. Das, was ich wirklich wirklich in der Tiefe bin, das muss ich nicht festhalten. Das darf ich nur sehen, annehmen, akzeptieren, dazu stehen und treu sein. Dieses sensible, liebevolle, zarte und unheimlich mächtige Wesen ist schon da, es muss weder kreiert noch aufrechthalten noch festgehalten werden“

 

Es war keine große Überraschung, zu sehen, nachdem ich den diesmal tiefsten Punkt der Reise in mir selbst erreicht und überwunden hatte, wie der Zustand meiner Krankheit von Tag zu Tag besser wurde.

Nun lerne ich Tag für Tag wieder zu laufen, so klischeehaft wie es sein mag, und musste dabei zusehen, wie als ob ich neugeboren würde und wie ein junges Tier erstmal wackelig nur ein paar Sekunden auf den Beinen stehen konnte, und wie stolz ich heute sein kann, wenn ich mit dem Rolator 50 Meter gehe. Ich weiss es, es wird nicht alles auf einmal anders sein, vieles wird wieder wie früher, aber doch in der Tiefe werde ich nie mehr der gleiche sein.   

Es gibt schon viel mehr zu erzählen, da waren alle meine verschiedene Anteile, meine Angst verrückt zu sein, der unglaublich süße alte Mann, der neben mir schlief, die liebevollen Krankenschwestern, der arme verirrte Oberarzt und die sinnlichen Haare der einen Therapeutin, aber für heute lasse ich es so, es ist vier Uhr vierundvierzig am Morgen, es gibt noch viel Zeit, um es alles weiter zu erzählen.

 

 

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